Rathaus am Hauptmarkt - ab 2009 zeitweise recht dünnhäutig

Das dreigeschossige Rathaus bildet mit seiner Lnge von 54 m die sdliche Platzfront des Hauptmarktes zwischen Gewandhausstraße und Innerer Schneeberger Strae. Erbaut wurde es nach dem groen Stadtbrand von 1403, der den Vorgängerbau völlig zerstörte. Etwa von 1497 bis 1679 zierten lebensgroße Figuren die Markfront, die Gründungsgeschichte der Stadt symbolisierend - erfunden von einem Bürgermeisters, der sich den Namen Stella (Stern) gab, wonach ein Recke, der sich Schwan (cygnea) nannte und vielleicht auch einer war, als Nachfahre des Herkules sich an die Mulde verirrte.

Rathaus Zwickau im Jahre 2009Auch Lessing fabulierte gern, doch war es der aufklärende Schiller, der schließlich wie folgt das jungfräuliche Zwickau beschrieb:

"...Ein schwarzer Mantel schlägt die Lenden, sie schwingen in entfleischten Händen der Fackel düsterrote Glut, in ihren Wangen flißet kein Blut; und wo die Haare lieblich flattern, um Menschenstirnen freundlich wehn, da sieht man Schlangen hier und Nattern die giftgeschwollnen Buche blühn..." (?)

Nach mehreren Umbauten erhielt das Rathaus knapp sechzig Jahre später seine heutige Gestalt mit neogotischer Fassade (1866/ 1867) und umlaufenden Zinnenkranz sowie die Ecktürmchen. Über dem Haupteingang sieht man das große Stadtwappen und die ältesten Ratssiegel.

Die Erweiterungsbauten in der Schneeberger Straße stammen von 1897/98. Dort findet man auch ein kleines Glockenspiel.
Seitenbau des Rathauses bzw. was nach 2009 davon übrig bleibtNeben den Amtsstuben befanden sich früher Rüstkammer, Gerichtsstube, Kerker und Marterkammern im Keller. Im 1. OG. gab es einen Saal. Von den Räumen blieb nur die Jakobskapelle im ursprünglichen Zustand erhalten. Der lange, dreijochige Raum mit Kreuzrippengewölben wurde zwischen 1473 und 1477 von Hans von Mergenthal gestiftet und durch Arnold von Westfalen erbaut. Die Gewölberippen aus rotem Cainsdorfer Sandstein wurden 1615 barock ummalt. Das Portal (um 1540) stammt von Steinmetzmeister P. Speck.

Zunächst diente der Raum im 1. OG. bis zur Reformation dem Rat zur Abhaltung der Gottesdienste, danach als Trinkstube der Ratsherrn (1537), zuletzt sinnigerweise gern als Archiv oder Empfangsraum.

Gocken, die den Rat nicht wach rütteln, sondern den Bürger verzaubern sollen